Sonntag, 31. Juli 2011

Wollnest und wollige Enten

Dieses schnucklige Wollnest ist schnell gemacht. Mit einer Häkelnadel in Stärke 6 und einem kleinen Wollrest kann man sich damit schön in einen Liegstuhl chillen und sich derweil nett unterhalten. Die Anleitung habe ich in der aktuellen Burda 08/2011 (Modell 161, Bilder in 2 Größen auf S. 86) gefunden.

Heute war endlich wieder das passende Wetter dazu, das ich aktuell in Ostwestfalen beim Heimatbesuch genießen kann.

Hier seht ihr also meine ersten Versuche im Guerilla Knitting ;-) im elterlichen Garten. In einer Gastrolle als Farbtupfer und Wollnest-Erstbezug-Bewohner hat eine aus der Speisekammer entwendete Orange ihren Auftritt, der es im Obstkorb mit den anderen Orangen einfach zu hart war.


Wenn man nicht gerade seinen Orangen ein kuscheliges Zuhause geben möchte, kann das Wollnest dazu dienen, Kleinigkeiten darin griffbereit aufzubewahren. Spontan fällt mir ein: Nähzubehör oder Bonbons - in der Nähe des Sofas aufgehängt. Mal sehen, was mir sonst noch so einfällt.
Ja, schon klar, das Ding ist eher völlig sinnlos *zwinker in Richtung Mr. Margerite*, aber ich find's klasse. Ein Leben ohne Wollnest ist möglich, aber sinnlos (frei nach Loriot). Was meint ihr?


Sehr "wollig" sehen auch die kleinen schwarzen Enten (weiß jemand, wie diese Art heißt?) aus, die ich heute auf der Diemel entdeckt habe. Diese süßen Miniaturausgaben können übrigens schon tauchen, sehr putzig anzuschauen!
Edit /6.8.11: Da hat sich jemand ornithologisch für mich erkundigt! Die schwarzen Gesellen heißen Reiherenten.


Einen schönen Sonntagabend für euch und viel Sonne für die nächste Woche!
Eure Hella

Freitag, 29. Juli 2011

Ein Herz für Retrokreise

Es ist fertig! Aus dem mit Elisa getauschten Stoff ist das Etuikleid Modell 124 aus Burda 02/2009 geworden. Danke für eure Entscheidungshilfe und die vielen Kommentare! Ausschlaggebend war schließlich, dass das Etuikleid aufgrund des schlichten Schnitts dem Stoff wirkungstechnisch die besten Entfaltungsmöglichkeiten bietet.

Gestern konnte ich es euch noch nicht zeigen, da keiner zum Fotografieren in greifbarer Nähe war (Einkaufszettel-Notiz: brauche dringend Stativ).  Dafür war Mr. Margerite heute in Bestform - auf diesem Foto sehe ich ein bisschen so aus wie frisch aus dem Otto-Katalog gehopst ;-)


Man sieht gleich, das Kleid hat Nahttaschen. Das ist eine feine Sache. Allerdings muss ich dazusagen, dass sie ein wenig aufsperren, wenn man sich mit dem Kleid zum Sitzen niederlässt. Na, egal. Dann sieht man wenigstens, dass sie aus schickem braun-in-sich-gestreiften Futterstoff sind. Dieses Mal also unbunt und gaaanz dünn, damit sie nicht auftragen oder auffallen.

So, jetzt mal hier ohne schlimmes Rumgepose (mmh, wie dieses Wort wohl im Google-Translator übersetzt wird?):


Hier sieht man, dass die Ärmel angeschnitten sind. Eine pfiffige Idee, liebe Burda, trägt sich auch sehr angenehm!


So, jetzt blicken wir einmal sanft zur Seite, nech?


Jaha, der Rückenausschnitt! Ganz was Feines: Als Kontrast zu den Kreisen (warum habe ich die vorher eigentlich Punkte genannt?) kommt so ein V-Ausschnitt total gut, oder? Praktisch ist übrigens auch, dass ich bequem den Nahtreißverschluss schließen kann, ohne lustige Verrenkungen anstellen oder auf fremde Hilfe angewiesen sein zu müssen. 


Und was schimmert da unter der Quernaht? Das ist ein aufgestepptes Viskose-Satinband. Hübsch, aber sehr zweckdienlich, da sonst die Kreisekollision an dieser Naht unschön auffallen würde.


Den Schnitt habe ich übrigens nur minimal verändert. Da ich bei Kleidern obenrum eine andere Größe habe als in der Taille und untenrum, habe ich das Kleid im Größenverlauf abgezeichnet. Das geht ganz leicht, indem man an der betreffenden Stelle verlaufend auf die nächste Größe wechselt.

Obligatorisch ist inzwischen die Längenänderung, da ich nicht die Burda-168cm-Körpergröße habe. Das Oberteil saß gut so (einfach den Schnitt anhalten und prüfen, wo die Quernaht sein wird), daher habe ich nur den Rock etwa 5 cm verlängert.

Noch ein Tipp zum Nahtreißverschluss: Dazu benötigt frau ein Spezialfüßchen. Das könnte ich teuer im Sonderzubehör von Pfaff kaufen (etwa 20 Euro) oder die bereits in meinem Besitz weilenden Wechselfüße aus Kunststoff von "YKK verdeckt" nehmen, die zu diversen Nähmaschinen passen. Dazu muss man zwar den Fuß abschrauben anstatt den Fuß nur anzuklicken, aber das ist kein großer Zeitverlust. Die Füße passen z.B. an meine alte "Husqvarna Huskystar 224", aber auch an meine "Pfaff Creative 4.0".

Die wichtigste Frage nach Fertigstellung eines neuen Kleid ist natürlich: Welche Schuhe trage ich dazu? Ich habe mich heute für die Ballerinas mit Absatz von Everybody entschieden (sind schon ein paar Jahre alt, aber gut gepflegt): 


Obwohl es draußen eher spätsommerlich als hochsommerlich ist (20 Grad, windig), gedeihen unsere selbstgezüchteten Bio-Minitomaten auf dem Küchenbalkon hervorragend und schmecken himmlisch. Im Frühjahr als Babypfanzen gesetzt und jetzt schon Mr. Margerites ganzer Stolz - er ist nämlich bei uns die Pflanzenfee :-)


Miss Margerite kümmert sich derweil um andere Leckereien, wie z.B. diesen Vanillepudding mit Johannisbeeren. Einfach eine Herzbackform mit Johannisbeeren "auskleiden", Pudding einfüllen und nach dem Erkalten mutig stürzen. Fertig ist das Pudding-Glück (und jetzt erschließt sich auch der Titel des heutigen Posts, gell?):


Ich wünsche euch einen famosen Start ins Wochenende!
Eure Hella

Montag, 25. Juli 2011

Gerüchteweise...

... hat Miss Margerite heute Morgen einen Ausflug zu einem ihrer Lieblings-Stoffläden, Frau Tulpe, gemacht.


... war Miss Margerite anschließend im LilliSu und hat dort ein interessantes Büchlein auf dem Tisch liegen sehen. Darauf stand: "LilliSu Gerüchte Küche. Schreib was!"


... soll Miss Margerite geschrieben haben:

Gerüchteweise wird das LilliSu mit Frau Tulpe fusionieren, um das schönste Nähcafé der Welt zu eröffnen. Stammgast und -näherin der ersten Stunde steht auch schon fest: Miss Margerite, deren Nähblog heute seinen 1. Geburtstag feiert :-) 25.7.2011

... , denn gerüchteweise wird Miss Margerites Blog heute 1 Jahr alt. Happy Birthday!


Das Rezept für diesen köstlichen Kuchen aus der Blog-Geburtstag-Gerüchteküche lautet so:
  1. Teig zubereiten: 4 Eier, 150 g Zucker, 150 g Raspelschoko, 100 g gemahlene Nüsse, 100 g gehackte Nüsse, 1 EL Mehl, 1 TL Backpulver. 
  2. In einer 26 cm Springform bei 200 Grad ca. 30 Minuten backen, bis der Teig sich leicht bräunt. Stürzen und abkühlen lassen.
  3. 200 ml Sahne schlagen und mit frischem Obst oder Früchtecocktail aus der Dose darauf verteilen.
Und weitere Gerüchte schweben in der Luft! Gerüchteweise...

... hat Miss Margerite inzwischen ihre Tasche entworfen, deren Idee sie schon so lange mit sich herumgetragen und Anfang des Jahres schon zarte Andeutungen darüber gepostet hat. Und in den letzten Tagen soll sie sogar klammheimlich ein Probemodell zum Modellieren und Optimieren aus Nesselstoff genäht haben.

... soll sie heute bei Frau Tulpe Zutaten gekauft haben, um demnächst einen Prototypen aus "richtigem" Stoff daraus zu nähen.


... soll es eines schönen Tages ein E-Book davon geben, wenn der Prototyp zu Miss Margerites Zufriedenheit ausfallen sollte.

... ist dies Beitrag Nr. 134.

... hat Miss Margerite bald 200 Leser *freu*.

... scheint in Hamburg gerade die Sonne.

... hat Miss Margerite sich mit eurer Hilfe hinsichtlich des Retrokreise-Stoffs übrigens für das Etuikleid Nr. 1 entschieden.

Oooh, du schöne Gerüchteküche! Dann mal rasch ans Werk...

Sonnige Urlaubsgrüße!
Eure Hella

Samstag, 23. Juli 2011

Schneggi-Bluse

Nach der Schneggi-Büx für süße nächtliche Träume gibt es jetzt auch eine Schneggi-Bluse. Die trage ich allerdings nur tagsüber ;-)


Der Stoff ist so fein, man könnte meinen, es wäre Seide, aber nein, es ist baumene Wolle.


Schnitt: Eine meiner Lieblingsblusen, Burda 06/2011, Modell 124 (hab' ich neulich in einer Karo-Variante genäht).

Meine Änderungen:
  • Diesen Schnitt muss man unbedingt verlängern, egal wie groß oder klein man ist, da die Bluse sonst zu knapp sitzt. Die Kollegin "FrauWaldmeisterin" erwähnte hier, dass ihr die Bluse nach dem Originalschnitt ohne Verlängerung 5 cm zu kurz ist.
  • Schmaler Gummizug im Saum (wie bei der Karobluse auch). Dieses Mal aber in einer feineren Variante, nämlich mit etwas Abstand zur Kante eingenäht. Das gibt so ein kleines "Rüschen-Köpfchen". 
  • An den Ärmelsäumen habe ich dieses Mal Gummizug eingearbeitet, hier aber ohne "Köpfchen".


Besonders schön finde ich an diesem Stoff, dass ich die ultimative Anzahl an entzückenden Schneckchen mit mir herumtragen kann, man das aber erst auf den zweiten Blick und aus nächster Nähe sieht. Sowas Schönes gibt es übrigens bei Tout Petit in Kopenhagen.  Allein deswegen muss man dort schon Urlaub machen ;-) !


Wie immer widme ich mich gerne den Details. Bei diesem Schnitt sind es die feinen Kräuselungen an der eingefassten Ausschnittkante.



Kulinarisch werden im Hause Margerite neue Gerichte ausprobiert, zum Beispiel dieses aus der Brigitte Nr. 15 (ja, das ist die mit den Kleiderschnitten drin, klar doch habe ich mir die gleich an Land gezogen):

Spaghetti mit Gorgonzola-Sauce (Sahne, Gemüsebrühe, Knobi, Blauschimmelkäse, Zitronenschale und -saft, Pfeffer), Walnüssen und Himbeeren. Wer Käse mit Obst mag, wird dieses Gericht lieben!

Ich wünsche euch ein leckeres und kreatives Wochenende! Eure Hella

P.S.: Danke für eure Hilfe bei der Auswahl eines passenden Schnitts für meinen Retrokreise-Stoff. So langsam kristallisiert sich heraus, welcher es werden könnte... Noch ist aber nichts zugeschnitten und ihr dürft gerne noch weiter abstimmen oder Alternativen vorschlagen. 

Freitag, 22. Juli 2011

Wer bin ich?

Dieser Stoff versetzte mich vom ersten Anblick an in Verzückung. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich noch in Elisabeths Obhut. Im Tausch gegen einen Viskosejersey in einem schönen Eisblau hat sie ihn mir aber überlassen.
Der Stoff gefällt mir so gut, da mich die Farben an ein Kleid erinnern, das meine Mutter früher einmal getragen hat. Es hatte zwar ein anderes Muster (Blumen, glaube ich), aber die Farbtöne kamen darin vor. Jetzt sitze ich hier mit meinem neuen Schätzelein und sinniere, was aus ihm werden könnte.

Eckdaten Retropunkte-Stoff:
  • 160 cm lang x 146 cm breit
  • blickdichte Baumwolle, mit etwas Stand (also kein dünner Stoff)
  • der lila Außenkreis hat einen Durchmesser von ca. 5,5 cm 
  • jetzt schon heiß geliebt :-)

    Was soll nun aus ihm werden? Schauen wir uns mal an, wer sich bisher für den Stoff beworben hat:

    1) Etui-Kleid: Modell 124 aus Burda 02/2009
    • schlichter Schnitt, endet oberhalb des Knies
    • überschnittene Schultern
    • 2 senkrechte Abnäher vorne und hinten
    • Ausschnitt: vorne rund, hinten spitz

    2) Valeska-Rock *berühmt berüchtigt, das wäre dann mein 5. Valeska...
    • weit schwingend mit schöner Kräuselung an den Seiten
    • breitet sich zum Saum hin aus wie eine Blume
    • benötigt farblich passende Kombinationsstoffe für Bündchen, Taschen und Saumborte (eher schlichte Stoffe, wir wollen es ja nicht übertreiben...)

     3) Empirekleid: Modell 6 aus Burda easy fashion H/W 2006 *bekannt von hier
    • endet oberhalb des Knies
    • eckiger Ausschnitt
    • gepuffte Ärmel
    • Nähidee: Oberteil aus einfarbigem Stoff, nur Rockteil aus dem Retropunkte-Stoff

    Auf welchen Bewerber fällt eure Wahl? Oder habt ihr vielleicht noch andere Ideen?

    Liebe Grüße aus dem Schietwetter geplagten Hamburg!
    Eure Hella

    Mittwoch, 20. Juli 2011

    Japankleid

    Trotz des simplen Schnitts war dieses Kleid aus einem Buch mit japanischen Schnittmustern eine echte Herausforderung für mich.

    Stoff: weiches Leinen in Petrol vom Glücksmarie-Lädchen in HH-Winterhude
    Christina hatte die Anleitung für mich übersetzt. Der Anleitungsteil im Buch ist zwar gut bebildert und sieht verständlich aus, aber ich gehe doch lieber auf Nummer sicher und vertiefe mich auch in die Hinweise im Text. Und so habe ich mich über ihr Übersetzungsangebot sehr gefreut.

    Nachdem ich die Schnitteile auf dem Bogen mit den japanischen Schriftzeichen ausfindig gemacht und abgezeichnet hatte ("aaah, hier ist das passende Symbol mit dem komischen Haken oben und dem Bogen links"), musste der Schnitt noch angepasst werden.


    Meine Schnitt-Änderungen
    Beim Anhalten der Passe stellte ich fest, dass meine Schultern doch um einiges breiter sind als die Schultern der zierlichen japanischen Damen im Buch. Deshalb habe ich in der Breite jeweils 3 cm an der vorderen und hintere Passe sowie am vorderen und hinteren Teil zugegeben (grüne Linien).

    Rückenteil / halber Papierschnitt
    Damit die Kräuselnaht etwas tiefer sitzt und der Armausschnitt gleichzeitig etwas größer wird, habe ich die vordere und hintere Passe um je 3 cm verlängert: Linie rechtwinklig zum Fadenlauf / Stoffbruch ziehen und einen 3 cm breiten Papierstreifen dazwischen kleben (blaue Linien).

    vordere Passe / in der vorderen Mitte gedoppelter Papierschnitt
    hintere Passe / in der hinteren Mitte gedoppelter Papierschnitt
    Folglich musste ich auch den Ärmel auf Höhe der Armkugel verlängern: Linie rechtwinklig zum Fadenlauf auf Höhe der Armkugel ziehen, einen 3 cm breiten Papierstreifen einfügen, die Außenlinien der Ärmel-Rundung angleichen, fertig.


    Ich war mir so sicher, dass mit diesen Änderungen der Schnitt optimal sitzen wird. Aber es kam alles anders.

    Ergebnis bei der Anprobe
    Das Kleid passte mir zwar am Ausschnitt und an den Schultern optimal, war mir aber an Brust, Taille und Hüfte viel zu weit. Allerdings hätte ich damit prima bei einem Gospelchor mitsingen können (Vorschlag von Mister Margerite). Oder zelten. Aber auch ein Schwangerschaft mit Zwillingen hätte darunter bequem Platz gehabt - der Kissentest offenbarte es. Sorry, aber davon gibt es kein Foto :-)

    Der Kleidersaum unterhalb des Knies - wie im Buch vorgesehen - erwies sich als nachthemdmäßig unvorteilhaft. Pfiffiger wirkt es meiner Meinung nach, wenn der Saum bei diesem Schnitt oberhalb des Knies endet.

    Fazit
    Ich brauche zwar die Mehrbreite in der Schulterpartie, aber nicht auf Brust-, Taillen- und Hüfthöhe. Was also tun?

    Die Lösung
    Zum Glück hatte ich die Seiten- und Ärmelnähte zum Schluss in einem Rutsch geschlossen, sodass diese Änderung leicht vorzunehmen war: Ich habe die Säume aufgetrennt und an jeder Seite mit 3 cm Abstand zur Nahtlinie eine neue Naht gesteppt. Zum Ärmelsaum hin habe ich die Naht auslaufen lassen.


    Diese Änderungen übertrage ich jetzt noch auf meinen Papierschnitt.

    Der erfreuliche Nebeneffekt
    Da ich die Seitennähte sowieso erneuern musste, konnte ich auf diesem Weg noch schnell meine geliebten Nahttaschen einfügen. Warum ich das nicht von Anfang an mit eingeplant habe? Tja, ähm, hüstel, öhm, also, tja... Och Mädels, stellt mir doch nicht so spitzfindige Fragen!


    Das Einnähen von praktischen und unsichtbaren Nahttaschen geht übrigens ganz leicht. Schaut einfach mal in mein Nahttaschen-Foto-Tutorial.


    Lesson learned, Ende gut, alles gut, *stirnwisch*. Die Mühe hat sich gelohnt: Ich freue mich über mein luftiges und angenehm weites, neues Kleid mit dem aparten Halsausschnitt, den hübschen Kräuselungen und über dieses strahlende Petrol. Und darüber, dass ich die Pose aus dem Buch fast originalgetreu nachgestellt habe :-D


    Im Buch wird das Kleid übrigens in Kombination mit dicken roten Socken gezeigt:


    Aber Spaß beiseite: Vielleicht lässt sich das Kleid im Herbst mit Strumpfhose, braunen Stiefeln und einem kleinen entzückenden Jäckchen kombinieren. Wir werden sehen...

    Jetzt schaue ich aber erst 'mal, welches der vielen schönen geplanten Urlaubs-Näh-Projekte mein nächstes werden könnte. Am Urlaub mag ich besonders, dass ich mich einfach treiben lassen und nach Lust und Laune entscheiden kann, was ich tun möchte. Nur der selbstgezüchtete Rucola und die kleinen Strauchtomaten vom Balkon wollen hurtig verarbeitet werden, wenn sie reif sind:


    Sonnige Grüße! Eure Hella

    P.S.: Vor Kurzem habe ich Novas Blog entdeckt. Sie hat auch ein weites Japankleid genäht und sich allerlei Tüfteleien beim Nähen hingegeben. Herausgekommen ist ein neues Lieblingsstück mit schönen Details. Ihre Texte zu lesen ist übrigens eine wahre Wonne, denn hier ist auch ein Fan ungewöhnlicher oder selten gebrauchter Worte unterwegs :-)

    Montag, 18. Juli 2011

    Des Rätsels Lösung: Hose mit vorderem Reißverschluss

    Wie hier schon erwähnt, habe ich die Entstehung des Reißverschluss-Schlitzes meiner letzten Hose für euch fotografiert. Wer sich also bisher davor scheute und sich von eher kompliziert klingenden Nähanleitungen abgeschreckt fühlte, den möchte ich mit diesem Tutorial dazu ermutigen, es doch einmal zu versuchen.

    Allgemeine Hinweise:
    Im Folgenden findet ihr viele Fotos zu den einzelnen Schritten, aber keine Sorge: Nicht jedes Foto ist ein Nähschritt :-) Viele Fotos zeigen einfach, wie der Hosenschlitz nach einem bestimmten Nähschritt aussieht.
    Ihr möchtet euch ein Foto genauer ansehen? Dann klickt bitte auf das Bild.

    Vorbereitung
    Wichtig ist, dass ihr alle Linien des Hosenschnitts auf euren Stoff übertragt. Die Markierungen rund um den Hosenschlitz sollten hierbei auf die rechte Seite des Stoffs gezeichnet werden.

    Was bisher geschah...
    Die Mittelnaht habe ich bis zum Schlitzzeichen des Zippers zugesteppt. Nun bügele ich die Schlitzbelege nach innen um: auf der einen Seite genau entlang der vorderen Mitte (auf dem Bild ist dieser Beleg nach unten weggeklappt), auf der anderen Seite ca. 5 mm vor der vorderen Mitte (diesen Teil nennt man Untertritt). Auf dem Bild ist die vordere Mitte mit einer roten Linie gekennzeichnet.

    Und nun geht's los...  
    Ich lege den Zipper mit den Zähnchen ganz nah an die Kante des umgebügelten Untertritts:


    ... und steppe ihn an. Am besten geht das mit dem Reißverschlussfuß der Maschine.


    Das sieht dann so aus (rote Linie = vordere Mitte). Zwischen Zipper und roter Linie erkennt ihr die Steppnaht:


    Nun stecke ich den Schlitz zu, sodass die vordere Mitte der beiden Belege aufeinanderliegt.


    Dann steppe ich die andere Seite des Zippers an. Weil der Schlitz so zugesteckt ist, wie er bei der fertigen Hose sein soll, kann ich auf der Innenseite leicht erkennen, wo die noch lose Seite des Zippers angesteppt werden muss.

    Auf dem Bild seht ihr auf der linken Seite den bereits festgesteppten Teil des Zippers. Die rechte Seite des Zippers ist bereits mit Nadeln am Beleg fixiert. Achtung: Den Zipper nur am Beleg festmachen, nicht durch das Hosenteil stechen!


    Nun klappe ich das Hosenteil nach hinten weg, sodass ich nur den Zipper und den Beleg feststeppen kann. Das sieht so aus:


    Nun drehe ich die Hose wieder um, versäubere die Belegkanten und fortlaufend die Nahtzugaben der vorderen und hinteren Mittelnaht.

    Und weiter geht's:
    Das Vorderteil der Hose stecke ich von außen auf den darunter liegenden Beleg. Nun steppe ich den Schlitz entlang der eingezeichneten Linie von oben nach unten ab (bei diesem Schnitt sind das 3 cm Abstand zur vorderen Mitte):


    Achtung: 3 cm vor Ende des Schlitzes mache ich Halt. Die gestrichelte Linie auf dem Bild steppe ich später weiter. Jetzt kommt erst noch der sogenannte Schlitzuntertritt ins Spiel.


    Was ist das? Der Schlitzuntertritt ist das Stück Stoff, das ihr seht, wenn ihr den Zipper einer Hose öffnet. Er verdeckt sozusagen den Schlitz von innen. Diesen Schlitzuntertritt stelle ich nach Anleitung her (rechts auf rechts längs falten, eine kurze und die offene lange Kante absteppen, wenden, bügeln).

    Dann lege ich den Schlitzuntertritt unter die Schlitzkante und stecke ihn am Besatz fest (das offene Ende zeigt dabei nach oben). Auf dem Bild seht ihr, dass ich den Untertritt knapp neben dem Zipper angelegt habe. Die beiden roten Linien sind die 2 Nähte, mit denen ich den Zipper vorhin festgesteppt habe.


    Jetzt steppe ich den Untertritt wenige mm neben der Kante auf dem Besatz fest. Hier wieder "Obacht und aufgemerkt": Das Vorderteil der Hose nicht mitfassen!


    Nun wende ich die Hose und steppe die noch fehlenden 3 cm auf der Vorderseite zuende, wo ich eben Halt gerufen habe.  Ich steppe hierbei das Vorderteil der Hose auf dem innen liegenden Beleg und dem Schlitzuntertritt fest. So kann der Schlitzuntertritt nicht herumschlabbern, wenn ich die Hose öffne oder sich verdrehen, wenn ich die Hose anziehe und den Zipper schließe.

    Wer mag, kann den Hosenschlitz an der Stelle, wo ich eben wieder angesetzt habe, mit einem Riegel (= grüne kurze Linie auf dem Bild, ein sehr dichter Zickzackstich über ca. 4 mm) entlang der Steppnaht verstärken. Das ist hilfreich, wenn ihr einen eher feinen Stoff verwendet, da das Vorderteil an dieser Stelle beim Anziehen belastet wird und so ein Ausreißen verhindert werden kann.


    Von innen sieht der mitgefasste Schlitzuntertritt dann so aus:


    So sieht euer fertiger Schlitz im geschlossenen Zustand aus:


    Und so sieht er aus, wenn ihr ihn öffnet:


    Und im vollständig geöffneten Zustand seht ihr, welche Funktion der Schlitzuntertritt hat.


    Ich wünsche euch gutes Gelingen und hoffe, dass ich den gefürchteten Reißverschluss-Schlitz etwas ent-mystifizieren konnte ;-) Falls doch noch Unklarheiten bestehen, fragt mich gerne!

    Eure Hella