Sonntag, 22. November 2015

Stille

Gedankenstille und innere Einkehr, zum Wesentlichen finden. Spüren, dass da mehr ist nach der Endlichkeit. Gewissheit, Sicherheit.   


Dieser Beutel beherbergt eine Meditationskette, eine Mala. Sie gleitet zwischen Daumen und Mittelfinger durch die Finger, mit 108 Perlen. Bei jeder Perle kann man geistig ein Mantra wiederholen, ein Gebet oder ein Wort (Amen, OM). Und damit den Geist beruhigen, der im Alltag unentwegt Gedanken produziert und ablenkt.


Diesen Beutel habe ich für Mr. Margerite genäht. Baumwollbatist mit Pfauenfedern, der von einer Shirtbluse übrig war. Er war es, der schon lange jeden Tag seine Meditationspraxis pflegte und mir von seinen Erfahrungen berichtete. 


Eines Tages verspürte ich den Drang, das ebenfalls zu tun. Mein Vater war sehr krank und ich hatte das Bedürfnis zu erfahren, dass da tatsächlich mehr ist als unser sterblicher Körper. Es reichte mir nicht mehr, es zu glauben. Ich wollte es im tiefsten Inneren spüren und erleben.


Yoga und Meditation ist ein bisschen so wie die Scheiben der Seele putzen. Um den Blick für Dinge zu öffnen, die man nur mit dem Herzen sehen kann.


Mein Vater ist Ende August gestorben. Die Erfahrungen während der Meditation nehmen nicht den Stachel der Traurigkeit. Aber sie stellen eine Ebene her, die mich mit ihm verbindet.

Ich vermisse ihn sehr. Mein Vater hat einmal gesagt: "Lieben heißt loslassen können."
Ach Papa, ich übe ja noch :-)

Das ist heute ein sehr persönlicher Post. Ich schreibe ihn, da ich mir sicher bin, dass er ihm gefallen würde. Und da ich hier nicht einfach so weiterschreiben kann, ohne euch mitzuteilen, dass ich sehr traurig bin. Aber keinesfalls unglücklich. Und sehr dankbar, dass ich diesen liebevollen Vater hatte, der mir u.a. meine Liebe zum Handwerklichen und den feinen Details in die Wiege gelegt hat.

Aus dem ersten Hamburger Schnee grüßt euch
eure Hella

P.S.: Den Schnitt für den Beutel habe ich von seinem Vorgängerexemplar abgenommen und ein wenig abgewandelt, doch die wesentlichen Details übernommen. Jetzt benutze ich das schon verschlissene Vorgängerexemplar und sollte mir doch auch endlich ein eigenes nähen... Falls jemand Interesse an dem Schnitt hat, ich würde ihn einscannen und mit einer kleinen Anleitung zur Verfügung stellen.

Kommentare:

  1. Ein bewegender Post, vielen Dank für's Teilen deiner Gedanken und wie du mit dem Verlust umzugehen übst. Ich wünsche dir alles Gute.
    Liebe Grüße,
    Luise

    AntwortenLöschen
  2. Danke für deine offenen Worte! Ein schöner Post!

    AntwortenLöschen
  3. Mein aufrichtiges Beileid liebe Hella! Ich hatte Dich hier schon vermisst. Du hörst Dich aber an als würdest Du auf einem sehr guten Weg der Trauer sein. Das ist ja leider alles andere als einfach.
    Sei ganz lieb gegrüßt!!
    Claudia

    AntwortenLöschen
  4. Ich finde es wichtig auch mal über Dinge zu schreiben, die einen so sehr bewegen. Mein Beileid.
    LG Silvi

    AntwortenLöschen
  5. Liebe Hella,
    schön, dass du hier schreibst! Ich habe deine Fluganekdote noch einmal gelesen. Herrlich =) Behalte diese vielen guten Gedanken an deinen Papa.
    Viele mitfühlende Grüße,
    Kathrin

    AntwortenLöschen
  6. Erst freue ich mich, von Dir zu lesen und dann diese tieftraurigen Zeilen. Mein aufrichtiges Beileid, liebe Ella.
    LG Mona

    AntwortenLöschen

Schön, dass du mir etwas schreibst!