Freitag, 27. November 2015

Zeit für Schönes

Montags habe ich immer frei (außer wenn hier jemand krank ist) und nutze dann gerne ein bisschen Zeit nur für mich. Seit Oktober arbeite ich wieder, mit knapp 20 Stunden verteilt auf 4 Tage, nach insgesamt 3,5 Jahren Elternzeit.

Letzten Montag habe mir einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Seit ich diese Anleitung entdeckt hatte, wollte ich mir auch eine Etagere aus Sammelgeschirr bauen. Im Sommer letzten Jahres hatte ich einen sehr schönen Prototyp aus mintfarbenem Sammelgeschirr mit Goldrand angefertigt, für den Geburtstag einer Freundin. Mir eine eigene zu gönnen, traute ich mich damals noch nicht - die Kinder waren einfach noch zu klein...

Inzwischen sind die Kinder 20 Monate und knapp 3,5 Jahre alt, da könnte man es ja vielleicht mal wagen, sich endlich eine eigene Etagere zu gönnen und diese auch tatsächlich zu nutzen. Und siehe da:


Ich habe sie nach Fertigstellung ganz mutig auf unseren Küchentisch gestellt. Und bisher habe ich das nicht bereut ;-) Sie ist aus Sammelgeschirr vom Flohmarkt zusammengesetzt, in das ich jeweils mittig ein Loch gebohrt habe. Die Stangen habe ich bei Amazon erworben. Hier findet man günstig eine riesige Auswahl unterschiedlicher Designs.


Das Lochbohren nimmt ein bisschen Zeit in Anspruch, wenn man nicht gerade eine Standbohrmaschine sein Eigen nennt. Ich habe eine Akkubohrmaschine und einen hochwertigen Diamantbohrer (14€ !!!) mit 6mm Durchmesser von Wolfcraft benutzt.


So bin ich vorgegangen: Zuerst habe ich Kreppband / Malerband auf das Geschirrstück geklebt und mit Edding die Mitte markiert. Damit der Bohrer anfangs nicht verrutscht, habe ich ein ein Loch in ein doppelt gelegtes dickes Stück Pappe gestochen und festgeklebt. Das Geschirr selbst liegt zwecks Anti-Rutsch mit dem "Gesicht" nach unten auf einem feuchten Handtuch.


Wenn der Bohrer merklich Halt findet, kann man die Pappe entfernen und weiterbohren, bis man durchstößt und ein kleines Plättchen in der Hand hält. Wichtig: Zwischendurch den Bohrer in etwas Wasser abkühlen und auch auf das Bohrloch etwas Wasser träufeln. Und immer mal wieder einen Schluck Kaffee trinken :-)


Sind alle Teile "gelocht", einfach nur noch die Stangen durchstecken und festschrauben - fertig!

Ich bin sehr glücklich mit meiner Etagere. Meine Kinder mögen sie auch und bestehen darauf, nachmittags nach der Kita Obst und Kekse darauf zu drapieren. Und was kommt in die Tasse? Mr. Mini-Margerite findet, dass wir dort Bonbons hineintun sollten. Soso ;-) Wie lange die da wohl drin wären...

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende! Habt ihr etwas Schönes vor?
Eure Hella

Sonntag, 22. November 2015

Stille

Gedankenstille und innere Einkehr, zum Wesentlichen finden. Spüren, dass da mehr ist nach der Endlichkeit. Gewissheit, Sicherheit.   


Dieser Beutel beherbergt eine Meditationskette, eine Mala. Sie gleitet zwischen Daumen und Mittelfinger durch die Finger, mit 108 Perlen. Bei jeder Perle kann man geistig ein Mantra wiederholen, ein Gebet oder ein Wort (Amen, OM). Und damit den Geist beruhigen, der im Alltag unentwegt Gedanken produziert und ablenkt.


Diesen Beutel habe ich für Mr. Margerite genäht. Baumwollbatist mit Pfauenfedern, der von einer Shirtbluse übrig war. Er war es, der schon lange jeden Tag seine Meditationspraxis pflegte und mir von seinen Erfahrungen berichtete. 


Eines Tages verspürte ich den Drang, das ebenfalls zu tun. Mein Vater war sehr krank und ich hatte das Bedürfnis zu erfahren, dass da tatsächlich mehr ist als unser sterblicher Körper. Es reichte mir nicht mehr, es zu glauben. Ich wollte es im tiefsten Inneren spüren und erleben.


Yoga und Meditation ist ein bisschen so wie die Scheiben der Seele putzen. Um den Blick für Dinge zu öffnen, die man nur mit dem Herzen sehen kann.


Mein Vater ist Ende August gestorben. Die Erfahrungen während der Meditation nehmen nicht den Stachel der Traurigkeit. Aber sie stellen eine Ebene her, die mich mit ihm verbindet.

Ich vermisse ihn sehr. Mein Vater hat einmal gesagt: "Lieben heißt loslassen können."
Ach Papa, ich übe ja noch :-)

Das ist heute ein sehr persönlicher Post. Ich schreibe ihn, da ich mir sicher bin, dass er ihm gefallen würde. Und da ich hier nicht einfach so weiterschreiben kann, ohne euch mitzuteilen, dass ich sehr traurig bin. Aber keinesfalls unglücklich. Und sehr dankbar, dass ich diesen liebevollen Vater hatte, der mir u.a. meine Liebe zum Handwerklichen und den feinen Details in die Wiege gelegt hat.

Aus dem ersten Hamburger Schnee grüßt euch
eure Hella

P.S.: Den Schnitt für den Beutel habe ich von seinem Vorgängerexemplar abgenommen und ein wenig abgewandelt, doch die wesentlichen Details übernommen. Jetzt benutze ich das schon verschlissene Vorgängerexemplar und sollte mir doch auch endlich ein eigenes nähen... Falls jemand Interesse an dem Schnitt hat, ich würde ihn einscannen und mit einer kleinen Anleitung zur Verfügung stellen.